Service-Navigation

Suchfunktion

Das Deutsche Reitpferd (Warmblut)

Württemberger Warmbluthengst Gardez (Foto: Stephan Kube)
Württemberger Warmbluthengst Gardez (Foto: Stephan Kube)

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bestimmten Zeitgeist sowie Laune und Geschmack der Landesherren auch die Richtung der Pferdezucht. Der Einfluß anderer europäischer Zuchtgebiete wechselte ständig, sicherlich auch mitbestimmt von realen wirtschaftlichen Anforderungen, die man an das Pferd stellte. Erst ab 1867 wurde der Grundstein für eine eigenständige Pferdezucht in Württemberg durch die Einfuhr von ostpreußischen Stuten und später von anglonormannischen Hengsten nach Marbach gelegt. Insbesondere die Anglonormannen Faust, Mac Mahon und Communist prägten das württembergische Warmblutpferd, wobei der erste geradezu als Stammvater dieser Pferderasse bezeichnet werden kann. Gefordert wurde in dieser Zeit bis nach dem 2. Weltkrieg ein kräftiges, gesundes, arbeitswilliges und leicht zu haltendes Arbeitspferd für die Landwirtschaft, anfänglich auch für das Transportgewerbe und das Militär.
Diese Anforderungen prägten auch das äußere Erscheinungsbild dieses Pferdes: starkknochiges, tiefes, trockenes, leichtfutteriges und ausdauerndes Modell mit guten Hufen; nach heutigen Begriffen etwas kurzlinig aber mit genügend Adel - eben in erster Linie ein typisches Zugpferd. Berühmt war der "Württemberger" für seinen Arbeitswillen und seinen anständigen Charakter, Eigenschaften, die ihm im Volksmund den Titel "Herr und Bauer" verliehen. Heute sind diese Eigenschaften bei der Zucht des Altwürttemberger Pferdes wieder sehr gefragt.
Einkreuzungsversuche mit Holsteinern, Oldenburgern und Hannoveranern brachten nicht den gewünschten Erfolg. Lediglich der 1938 eingesetzte Hengst Optiker, der auf den berühmten hannoverschen Hengst "Feiner Kerl" zurückgeht, hinterließ im Stammgestüt einige hervorragende Töchter. Bedeutende Söhne hatte er nicht. Bereits nach dem 1. Weltkrieg wurde das Pferd langsam aber sicher vom Motor von der Straße verdrängt. Diese Entwicklung griff auch auf die Landwirtschaft über und setzte sich dort nach 1948 im verstärkten Maße fort. Das Pferd als Arbeitskraft verlor seine Bedeutung und die Pferdezucht des Landes stünde heute vor dem Nichts, wenn sich nicht seit Mitte der fünfziger Jahre der Reitsport schnell aufwärts entwickelt hätte und damit auch der Bedarf an Reitpferden sehr rasch anstieg. In den über 800 baden-württembergischen Reit- und Fahrvereinen beträgt heute die Mitgliederzahl über 100.000 pferdebegeisterte Menschen. Die Zahl der Pferde in diesem Bundesland beläuft sich auf über 80.000.

Fußleiste