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Der Vollblutaraber

Vollblutaraberhengst Dschehim (Foto: Stephan Kube)
Vollblutaraberhengst Dschehim (Foto: Stephan Kube)

Das arabische Vollblut gilt als älteste reingezogene Reitpferderasse der Welt. Als ständiger Begleiter und Kriegspferd der Beduinen wurde es geprägt von den harten Umweltbedingungen der arabischen Wüste und selektiert auf Ausdauer, Genügsamkeit und ein menschenfreundliches Wesen. Diese Merkmale, gepaart mit hohem Adel und unvergleichlicher Schönheit, machten diese Pferde auch in Europa begehrenswert. Schon zu Beginn der Neuzeit veredelten arabische Hengste Pferdezuchten in ganz Europa. Aus arabischen Pferden, selektiert nach Rennleistung, entstand das Englische Vollblut; viele heutige Rassen wie der Trakehner, der Haflinger oder das Quarter Horse sind ohne ihre arabischen Vorfahren kaum denkbar. Arabische Reinzuchten außerhalb der Wüste entstanden erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts in einigen europäischen Fürsten- und Adelshäusern. Zu den ersten Reinzuchten überhaupt gehörte das königliche Privatgestüt Weil, gegründet 1817 von König Wilhelm I von Württemberg. Auf der Basis von Originalimporten aus der arabischen Wüste baute der König eine Zucht auf, die zu ihrer Zeit einmalig war und deren Einfluss sich weit über die Grenzen Württembergs und auch Deutschlands erstreckte und vor allem die Zuchten Osteuropas nachhaltig mitprägte. Wilhelms Nachfolger führten das Gestüt weiter.

Im Jahr 1932 übergab Fürstin Pauline zu Wied, die Tochter des letzten Königs von Württemberg, die königliche Araberherde an das Haupt- und Landgestüt Marbach, das diese älteste ununterbrochen fortbestehende Vollblutaraberzucht der Welt seitdem bewahrt und weiterführt. Die hier gepflegte Stutenfamilie der Murana I Or.Ar. und Hengstlinie des Bairactar Or.Ar. führen zurück in die Anfangszeit von Weil und sind weltweit die ältesten Zuchtlinien, die sich auf Original-Araber zurückführen lassen. Auch die in Marbach gezogenen Pferde beeinflussten im 20. Jahrhundert Araberzuchten weltweit. Arabische Pferde werden bis heute als Veredler in nahezu allen Warmblutzuchten eingesetzt. So prägte der Anglo-Araber Ramzes die westfälische Zucht; im Hannoveraner finden sich Weiler Blutlinien über den Hengst Amurath, und in der Trakehner Zucht gehen zwei der führenden Hengstlinien auf arabische Hengste zurück. Auch das weltbeste und teuerste Dressurpferd Totilas führt viermal den Vollblutaraber Fetysz in der Abstammung. Arabische Zuchten gibt es heute überall auf der Welt, mit zum Teil sehr verschiedenen Schwerpunkten. So gelten die Ägypter als besonders edel und reinblütig (asil), während sich in Frankreich eine ganz eigene rennbahnorientierte Zucht herausgebildet hat.

Darüber hinaus aber ist die Vollblutaraberzucht, dank künstlicher Besamung und Spermaversand, heute ausgesprochen global, so dass führende Vererber weltweit eingesetzt werden können. Ebenso global ist die Schauszene, die von den USA ausgehend inzwischen auch den Mittleren Osten erreicht hat, wo der Vollblutaraber seit einigen Jahren eine anhaltende Renaissance erlebt. So, wie früher Europas Fürsten arabische Pferde aus der Wüste importierten, kaufen heute arabische Fürsten arabische Pferde in Europa und den USA. Dass manche Warmblutzüchter heute Berührungsängste in Bezug auf den Vollblutaraber haben, liegt daran, dass die Schauszene oft einseitig betont wird und dem Araber dadurch zunehmend den Ruf anhaftet, nur noch schön zu sein. Doch die Schauszene und ihre zum Teil bizarren Begleiterscheinungen sind nur ein Aspekt einer sehr breit gefächerten und vielfältigen Zucht und repräsentiert keineswegs die Mehrheit der Züchter. Und so mancher Schauchampion hat schon, wenn ihm die Chance gegeben wurde, auch unter dem Sattel geglänzt. Letztendlich ist es gerade die Verbindung aus Schönheit und hoher Leistungsfähigkeit, die den Vollblutaraber seit jeher ausmacht und ihm zu einer so prominenten Rolle bei der Entwicklung anderer Rassen verholfen hat. Den Beweis dafür liefert der Distanzsport: Er wird seit Jahren von arabischen Pferden dominiert. Und die sind – ganz nebenbei – auch noch wunderschön. (Betty Finke)

Es gibt sie noch, die silberne Herde…

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